Private Krankenkassen vor dem Aus?

Bonn, 17.3.2012. Zur Zeit wird heftig diskutiert, ob die private Krankenkasse (PKV) überhaupt noch sinnvoll ist. In der Politik wird sehr kontrovers über das Thema PKV gestritten. Die Koalitionspartner CDU und FDP trennen in dieser Frage Welten. So will die FDP eigentlich am Model PKV festhalten. Hingegen möchte die CDU laut Jens Spahn die Trennung von gesetzlicher zu privater Kasse aufweichen, da sie nicht mehr zeitgemäß ist und man fände auch keine Mehrheit mehr dafür in der CDU. Spahn schlägt eine Alternative zu der von der SPD und den Grünen schon seit vielen Jahren geforderte sogenannte „Bürgerversicherung”, in der alle Bürger gleich versichert sind. Hierzu soll nach Ostern beraten werden und die PKV auf den Prüfstand gestellt werden. Widerstand gibt es laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung CCL aus Düsseldorf auch bei der CSU und natürlich den Ärzten und den Versicherungsunternehmen. Sie verteidigen das System, erreiche man doch damit eine hohe Zufriedenheit bei den privat versicherten Bürgern. Tatsächlich ist ca. jeder 10 Bundesbürger in einer Privat Krankenversicherung versichert.

Ob die privat Versicherten wirklich so zufrieden sind, wie uns die Versicherer weiß machen wollen, sei dahin gestellt und vom VedeVe (Verband der Versicherten) regelmäßig überprüft. Sicher geht es dem jungen, gesunden und erfolgreich verdienenden Unternehmer oder Angestellten in der PKV gut. Denn er zahlt in der Tat eine niedrige Prämie und bekommt dafür eine exzellente Leistung geboten. Die Lockangebote der PKV für solche Leute sind unschlagbar günstig mit einer hohen Attraktivität für den zukünftigen Kunden. Oft wird aber nicht auf lange Sicht beraten, denn dann würde sich so mancher Interessant es genau überlegen, ob er das Risiko eingehen will. Denn das ist hoch. Als junger gesunder und vermögender Single ist es zweifellos zunächst eine Erhöhung der Lebensqualität. Wenn man über reichlich Einkommen verfügt – und dies dauerhaft – dann ist die PKV eine angenehme Sache. Aber oft bleibt das nicht so. Man kann nicht in die Zukunft sehen. Und so mancher erfolgreiche Jung-Unternehmer ist nach anfänglicher positiver Entwicklung auf der Strecke geblieben. Siehe Euro-Krise. Viele Klein-Unternehmer und viele Selbständige oder Freiberufler mussten die Waffen strecken dank Euro-Krise und ihrer weitläufigen Folgen. Wenn man nicht zur Erbengemeinschaft gehört, die für den Rest ihres Lebens dank Ahnen keinen Finger mehr krumm machen müssen, sollte man vorsichtig mit dem Eintritt in eine PKV sein. Die Prämien steigen im Laufe der Jahre zum Teil exorbitant an. Der persönliche Misserfolg eines Beitragszahlers wird dabei nicht berücksichtigt. Er muss seinen Beitrag zahlen. Wie er letztendlich das Geld dafür aufbringt, ist der Versicherung schnuppe.

Betrachtet man die beiden Modelle, die PKV und die GKV (gesetzliche Krankenversicherung) – so sind diese so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Die GKV schmeißt die Gutverdiener ab einer Beitragsbemessungsgrenze von 45.800,- Euro jährlichem Verdienst aus dem System. Ab dieser Grenze muss der Beitragszahler den höchsten Satz zahlen. Dafür ist er aber nicht besser versichert als derjenige, der unter diesem Satz bezahlt. Er kann aber auch nicht wählen und in die private Krankenversicherung wechseln. Denn um dort versichert zu sein, muss man ein Einkommen von mindestens 50.500 Euro im Jahr vorweisen können. Er befindet sich also in einer Art Grauzone und in einem Zwangszustand.

Solidarisch und gerecht sind also beide Systeme nicht so wirklich. Es ist an der Zeit, dass die Politik eine Überarbeitung der Modelle anstrebt. Kann man nur hoffen, dass etwas Gescheites dabei heraus kommt.